Baukultur + Dorfentwicklung

Der ART beleuchtet die bauliche Entwicklung der Dörfer in der Gemeinde Argenbühl aus verschiedenen Blickwinkeln.

Auch beim Bauen gibt es Alt und Jung.
Wie schön, wenn Alt und Jung miteinander harmonieren.

Wir arbeiten projektbezogen.
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Zur Entwicklung unserer Dörfer tragen wir unsere Vorstellungen für eine lebenswerte Zukunft bei.

Gelingende Architektur basiert auf drei gleichwertigen Säulen:
Statik, Nützlichkeit und Schönheit.


Projekt:

                     'Zeitgemäßes Bauen auf dem Dorf'

Klimaveränderung und Wohnraumerschließung erfordern ein Umdenken - jetzt!


"Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel vollauf versteht, und die letzte Generation, die in der Lage ist, etwas dagegen zu tun."


                    (Petteri Taalas, Generalsekretär der World Meteorological Organisation, WMO)


ART setzt sich für eine gestalterisch authentische und oekologische Entwicklung unserer Dörfer ein ein.

Vor dem Hintergrund aktueller Makrodaten über die Klimaveränderung (s.u.) setzt sich der Argenbühler Runde Tisch (ART) für eine zukunftsorientierte Gestaltung künftiger Baugebiete als Teil einer klimafreundlichen Dorfgestaltung ein. 

Der ART ist dabei nicht gegen die Erschließung neuer Baugrundstücke, aber z.B. gegen eine althergebrachte stupide Vergeudung von Naturräumen (Landfraß). Ein Zugewinn an wertvollen Naturräumen könnte auch in Neubausiedlungen entstehen, wenn der Natur bei der Planung mehr Aufmerksamkeit zuteil würde. 

Der ART setzt sich für eine Baustrategie ein, die die dörflich-ländliche Eigenart unserer Dörfer berücksichtigt und wahrt.

Der ART setzt sich für eine klimagerechte und damit CO2-neutrale Energieversorgung künftiger Wohnquartiere ein. Moderne Wärmenetze anstelle von individuellen Heizanlagen sollen unter Nutzung erneuerbarer Energien zum Standard werden und so nachhaltig zur Vermeidung von Treibhausgasen beitragen. 

Holz als Baustoff der Zukunft soll den künftigen Baudamen und -herren durch Überzeugung ans Herz gelegt werden mit dem Ziel, dass im Wesentlichen nur noch Baustoffe zum Einsatz kommen, die in ihrer Gesamtbilanz - von der Herstellung bis zum fertigen Gebäude - klimafreundlich sind. Eine hochwirksame Isolierung und der Gebrauch energiesparender Leuchtmittel sind dabei heute schon obligatorisch.

Zisternen sollten eine Selbstverständlichkeit werden, um damit sowohl Brauchwasser im Haus als auch Gartenwasser zu speichern und gleichzeitig bei den zunehmenden starken Regenfällen Überflutungen zu verhindern helfen. In den zunehmend auftretenden Dürrephasen ermöglicht das gespeicherte Wasser dann eine extensive Nutzung des Trinkwassers für solche Zwecke, die keine Trinkwasserqualität erfordern. Das Wassermanagement eines Quartiers oder eines Dorfes kann auf diese Weise positiv unterstützen.

Gleichzeitig sollte die Dorfkultur dadurch stimuliert werden, dass neben kleinen privaten Refugien um die Wohnungen vor allem gepflegte und kollektiv nutzbare Naturräume mit schattenspendenden Bäumen und artenreichen Kleinbiotopen entstehen, wo auch die Natur eine Chance zu Rückzug und Erhalt haben soll.

"Neben den natürlichen Faktoren beeinflusst der Mensch das Klima vor allem seit Beginn der Industrialisierung (vor ca. 200 Jahren) in erheblichem und weiter zunehmendem Umfang: Der "Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen" (Intergovernmental Panel on Climate Change) (IPCC), der den Stand der Wissenschaft im Auftrag der Vereinten Nationen (WMO und UNEP[1]) zusammenfasst, kam bereits 2007 zu dem Schluss, dass...

...die Erwärmung der Atmosphäre und der Ozeane seit Beginn der Industrialisierung vor allem auf der Freisetzung von Treibhausgasen durch den Menschen beruht...

Der sich voraussichtlich in den nächsten Jahrzehnten weiter verstärkende Klimawandel besitzt das Potential, neben gravierenden Umweltveränderungen weltweite Konflikte und Migrationsbewegungen von erheblichem Ausmaß auszulösen ('Klima- bzw. Umweltflucht'). Ein wesentlicher Aspekt der gegenwärtigen Entwicklung ist der Klimaschutz als übergeordneter Begriff für Maßnahmen, die die absehbaren Folgen der globalen Erwärmung abschwächen und nach Möglichkeit verhindern sollen.

Als primäre Aufgabe gilt hierbei die nachhaltige und rasche Reduzierung der anthropogenen CO2-Emissionen." (abgeleitet im Wesentlichen aus dem 5. Sachstandsbericht des IPCC)

Insbesondere der sehr steile Anstieg der anthropogenen (menschengemachten) Klimagas-Emissionen in den letzten 2 Jahrhunderten und besonders auch in den letzten 70 Jahren[2] verbunden mit der langen Verweildauer der schädlichen Klimagase in der Atmosphäre werden mit größter Wahrscheinlichkeit unsere derzeitigen Lebensbedingungen bereits innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre gravierend verändern, d.h. verschlechtern, wenn diese Emissionen nicht zeitnah gestoppt und allmählich rückgängig gemacht werden. Dafür muss jeder Mensch heute schon seinen aktiven und spürbaren Beitrag leisten. Vor allem die Industriestaaten wie z.B. Deutschland sind hier besonders gefordert, sowohl als Verursacher, also auch als Vorbild für konsequentes Gegensteuern[3].

Die vom Weltklimarat (IPCC) vorhergesagten weltweiten Konflikte und die z.T. damit verbundenen Migrationsbewegungen sind schon längst Realität. Und sie verursachen in Ländern wie Deutschland u.a. auch zunehmend Wohnraumnöte, die durch Spekulantion auf dem Wohnungsmarkt zusätzlich verstärkt werden. Und hier trifft das Problem Wohnraumnot auf das Problem schädliche Klimaveränderungen durch falsche bzw. unkluge Wohnraumbeschaffungsmaßnahmen.

Es gibt letztlich zwei große Maßnahmenbereiche, in die mit hoher Priorität die heutigen Generationen investieren müssen, um den Klimaveränderungen entgegen zu treten:

  • Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen,
  • Maßnahmen zur Korrektur der Folgen des bereits vorhandenen Klimawandels.

Diese Maßnahmenbereiche müssen auch bei der Befriedigung des Wohnraumbedarfs konsequente Berücksichtigung finden, um zu verhindern, dass Wohnungsbau weiterhin nachhaltiger Klimasünder bleibt. Aus Sicht des Argenbühler Runden Tisches ist diese Erkenntnis bei den hiesigen Entscheidungsträgern noch nicht ausreichend angekommen, was es zu ändern gilt.

Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen

Auf diesem Gebiet kann wiederum unterschieden werden zwischen aktiven bzw. direkten und passiven bzw. indirekten Maßnahmen:

Aktive/direkte Maßnahmen sind alle Maßnahmen, die der Produktion und Emission von CO2, Methan und anderen klimaschädlichen Gasen entgegenwirken bzw. diese verhindern. Hierbei sind vor allem Prozesse, die mittels Verbrennung von fossilen Brennstoffen stattfinden, schnellstmöglich zu beenden oder auf unschädliche Energieträger umzustellen. Stromerzeugung, Straßenverkehr, Industrie, Landwirtschaft und andere energieintensive Technologien sind hier vor allem Ziel von notwendigen Veränderungen. Hier muß auch im Bauwesen ein signifikanter Beitrag geleistet werden, z.B. durch Verwendung von Holz anstelle von Beton oder gebranntem Baumaterial.

Passive/indirekte Maßnahmen sind solche Maßnahmen, die der Erhaltung und Schaffung von Treibhausgas- eliminierenden oder reduzierenden Prozessen und Vorgängen dienen. Hierbei spielt vor allem der Erhalt einer intakten Natur mit CO2-bindenden Pflanzen auf Land und im Wasser eine entscheidende Rolle, ebenso wie Energieeinsparung durch Dämmung, energiesparende Beleuchtung und Heizung und ähnliche Maßnahmen. Ein CO2-bewusstes Bauwesen kann hier erheblich zur Reduzierung des Eintrags von klimaschädlichen Treibhausgasen beitragen.

Umgang mit den Folgen des bereits vorhandenen Klimawandels

Es muss wohl als traurige aber reale Tatsache festgestellt werden, dass wir die anthropogene Klimaerwärmung und die damit einhergehenden Folgen bestenfalls in den nächsten Jahren bzw. Jahrzehnten anhalten, aber nicht wieder schnell zurückfahren können. Je nachdem, wie schnell die Erderwärmung gestoppt werden kann, werden Maßnahmen zum Umgang mit den Folgen notwendig erden.

Eines muss dabei einem jeden Menschen heute klar sein. Es wird ein weltumfassendes Konsequenzen-Management der Folgen der Klimaerwärmung geben müssen, denn das, was wir und unsere Vorfahren in den vergangenen 200 Jahren angerichtet haben, zeigt leider auch erhebliche langfristige Konsequenzen. Diese können aber leider nicht mehr durch langfristig angelegte und verzögernde Maßnahmen behoben werden, sondern bedürfen nunmehr eines sehr schnellen und sehr umfassenden Ansatzes zur Behebung. Leider sieht es derzeit nicht so aus, also ob sich die Nationen der Erde, vor allem aber die besonders stark zur Erderwärmung beitragenden Industrienationen, diese Herausforderung auch konsequent angehen, sondern vielmehr durch allzu zaghaftes Gegensteuern die sich anbahnende Katastrophe weiterhin befeuern. Damit verspielt die heutige Generation die Zukunft der nachfolgenden Generationen.

Mit den steigenden Temperaturen in der unteren Atmosphäre und den Ozeanen verändert sich - bereits heute wahrnehmbar - das Wetter. Es wird virulenter mit zunehmender Neigung zu Unwetterereignissen, wie z.B. Starkregen, Stürmen, Hitzeperioden etc. Dabei muss klar sein, dass bei weiter steigender Erderwärmung diese Unwetterereignisse noch zunehmen und noch größere Schäden verursachen werden.

Wir müssen deshalb auch über ein besseres Wassermanagement nachdenken. Zisternen im Zusammenhang mit Neubauten könnten z.B. einerseits zur Eindämmung von Starkregenereignissen beitragen und daneben wertvolles Brauchwasser für Sanitärbereiche und Gärten speichern. Ebenso können intelligent angeordnete Bauten für eine günstige Beschattung sorgen oder PV-Anlagen auf den Dächern für CO2-Neutralität ganzer Wohnquartiere beitragen. Eine kollektive Grünflächenplanung in den Bauquartieren könnte zu mehr Baumbewuchs zur Schattenbildung und CO2-Bindung beitragen. Somit könnte gerade im Zuge der klugen Planung von Neubausiedlungen ein erheblicher Beitrag zum Klimaschutz erbracht werden, ganz abgesehen von der Steigerung der Lebensqualität in einem guten Kleinklima. Das Verbauen von mehr Recyclinmaterialien muß ins Bewußtsein rücken.

Ganz im Sinne des "Leitfadens für eine neue Planungskultur" des Landes Baden-Württemberg will der ART aktive Bürgerbeteiligung dadurch in die Dorfgestaltung einbringen, dass praxisbewährte Erfahrungen und Erkenntnisse sowie relevante aktuelle Daten und Fakten aufbereitet und den Entscheidungsträgern der Gemeinde als Hintergrundwissen für Entscheidungen zur Verfügung gestellt werden. Alle Bürgerinnen und Bürger sind deshalb eingeladen, eine lebenswerte Zukunft in unserer Gemeinde mitzugestalten.

[1] WMO = World Meteorological Organisation / UNEP = United Nations Environment Program

[2] Heute belegt Deutschland Rang 8 der weltweiten Emittentenliste für Treibhausgase (CO2 Äquivalente). Nach akkumulierten "Altlasten", d.h. CO2-Emissionen seit 1850 bis 2017 liegt Deutschland an Platz 4 hinter USA, China und Russland.

[3] Deutschland trägt aktuell mit ca. 1% der Weltbevölkerung ca. 1,9% der Treibhausgasemissionen bei. Diese sind zwar seit den 1980er Jahren rückläufig, aber noch nicht vorbildlich. 

Wichtige Erkenntnisse, die wir aus unserer Beobachtung der kommunalen Bauplanung ziehen, sind:



Die Berücksichtigung von aktuellem Expertenwissen und dessen Einbeziehung in die Planungsverfahren der öffentlichen Hand halten wir für eine wesentliche Voraussetzung für gute Ergebnisse.

Wir halten die Ausschreibung von Planungsbewerben für ein wichtiges Mittel um gute bauliche Gestaltung und Dorfentwicklung zu erreichen.

Wir empfehlen dazu außerdem die Öffnung und Reorganisation des kommunalen Gestaltungsbeirates.

Die Überarbeitung der bestehenden Baufibel zu einem neuen Baumemorandum  im Gestaltungsbeirat erscheint uns dringlich.


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